Pfiffiges Bühnenspektakel

Die Sporttheatergrupppe der Alleenschule präsentierte "Das kunterbunte Landschulheim"

Von Ulrich Staehle.

 

Kirchheim. Die wertvollen Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen neigen sich dem Ende zu. Unter dem Sammeltitel „Szenenwechsel“ führten Profis Stücke in den verschiedensten Theaterformen auf. Die Alleenschule bot noch eine Spezialität: wieder ein selbst entwickeltes und selbst gespieltes Theaterstück. Der große Zulauf mit 240 Schülern in zwei Vorstellungen beweist, dass Selbst-Produziertes bei Kindern besonders gut ankommt, weil es aus ihrer Lebenswelt stammt.

 

Ein Landschulheim ist immer ein besonderes Ereignis im Leben jedes Kindes. Die Sporttheatergruppe der Alleenschule hat ihre Gäste in die Aula eingeladen, ins „kunterbunte Landschulheim“ mitzukommen. Die muntere Gruppe, das sind 16 Mädchen und ein Junge aus den Klassen drei und vier – Theaterspielen war schon immer eine weibliche Domäne. In ihr Landschulheim fahren die Schüler mit dem Bus, sie teilen sich in Zimmergruppen ein, besuchen eine Höhle, feiern einen Abschiedsabend . . . Das ergibt Einzelszenen, die sicherlich aus Spielübungen entstanden sind.

Die vier Sängerinnen der Band der Alleenschule unter Leitung von Raphael Lindeke brachten Schwung auf die Bühne. Foto: Jean-Luc Jacques

Dies sind bestimmt keine spektakulären Ereignisse. Der Reiz liegt in der Lebensnähe und vor allem darin, dass sie pfiffig vorgeführt werden. Man merkt, dass hier zwei Theaterspezialisten am Werk sind, die Theaterpädagogin Mandy Kritz und der Theaterlehrer Günter Zogelmann. Glücklich die Schule, die theaterpädagogisch so gut ausgerüstet ist. Die beiden setzen ein ganzes Bündel von Theatermitteln ein. Gespielt wird auf und mit großen schwarzen Bauklötzen, die auf offener Bühne umgebaut werden zu einer Requisite oder einem Schauplatz, einem Omnibus oder zu einem Höhleneingang. Man sieht, dass der Bus fährt, wenn sich die Insassen in die Kurve legen.

 

Ansonsten sind Gruppenszenen mit Chorsprechen oder Einzelauftritte angesagt. Die Umbauten und die Gruppenszenen wollen alle exakt eingeübt sein. Bei den Umbaupausen wird Ravels „Bolero“ eingespielt. Ein halbes Jahr haben die Akteure an der Produktion gearbeitet. Hier ist Disziplin gefordert, die nicht der Lehrer, sondern die Aufführungssituation einfordert. Das schweißt die Gruppe zusammen. Eine hauseigene Band unter Leitung von Raphael Lindeke bringt mit vier Sängerinnen den Laden in Schwung und gestaltet den Kehraus bis zur letzten Zugabe.

 

Doch nicht nur knallige Effekte kommen zum Einsatz, sondern die Belegschaft des Landschulheims kann auch still einer Mitschülerin zuhören, die ein Märchen von James Thumber vorliest: Eine kranke Prinzessin will den Mond besitzen, damit sie wieder gesund wird. Das geschieht trickreich ausgerechnet durch den Narren. Die kleinen Zuschauer merken: Man muss sich auch eine Zeit lang konzentrieren können, damit die Macht der Fantasie wirksam werden kann. Wer nur über seinem Smartphone hängt wie die beiden Mädchen, die auf der Bühne immer abseits sitzen und nicht einmal in die Höhle gehen, der versäumt das Leben. Für die kleinen Zuschauer war dieses Bühnenspektakel ein köstliches Erlebnis. Für die jungen Spieler bedeutet die Gemeinschaftsleistung sicher einen individuellen Entwicklungsschub. Dieses „Landschulheim“ bleibt ihnen wohl unvergesslich.