Theatertherapie


Theatertherapie ist eng mit der Kunsttherapie verwandt. Bei beiden wird das eigene künstlerische Schaffen als therapeutisches Mittel eingesetzt. Während die Kunsttherapie gestalterisch mit Farbe oder Ton arbeitet, wird in der Theatertherapie der Raum als solches genutzt, um den eigenen Körper oder die eigene Stimme einzusetzen, sich in andere Rollen zu begeben und Begegnungen spielerisch zuzulassen. In diesem geschützten Rahmen ist es erlaubt, auch mal laut zu schreien oder Wut zu zeigen, sich groß zu fühlen obwohl man sonst eher klein ist, oder sich auch mal ganz klein und empfindsam zu zeigen obwohl man sonst immer stark sein muss.


Unterschiede zur Theaterpädagogik

  • Theatertherapie ist eine Form der künstlerischen Psychotherapie
  • Im Vordergrund steht ein therapeutischer Prozess
  • Grundlage können eine Diagnose, bestimmte psychische oder psychosomatische Symptome oder persönliche als belastend empfundene Konflikte sein
  • versteckte Themen, Verletzungen, Emotionen, Ängste, Konflikte, unverarbeitete Erlebnisse usw. können auf kreative Weise hervorgeholt und verarbeitet werden
  • dabei wird nicht nur auf rationaler Ebene gearbeitet, sondern auch mit inneren Bildern, Symbolen, Metaphern, Märchen und dem Unbewussten, welches sich spontan und intuitiv, sprachlich und auch körperlich, ausdrücken darf
  • selten geht es um die Entwicklung eines größeren Theaterstücks
  • vielmehr sind die einzelnen Sitzungen (ca. 90 Minuten) in sich abgeschlossen und beinhalten Übungen, Spiele, Aufgaben usw. die nur innerhalb der Therapiegruppe gespielt werden, also ohne öffentliche Aufführung
  • ganz wichtig: In der Theatertherapie geht es nicht um schauspielerische Leistung, es gibt kein "richtig" oder "falsch"
  • das Theaterspiel wird reflektiert, aber nicht bewertet im Sinne von "gut" oder "schlecht" gespielt
  • viel wichtiger ist der Inhalt, zum Beispiel: Was war mein biografisches Thema? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Wie schwer oder leicht fiel es mir, eine bestimmte Emotion zu zeigen? Konnte ich Nähe zu anderen Mitspieler/innen zulassen oder habe ich eine gewisse Distanz gebraucht? Zu welchen Rollen fühle ich mich hingezogen und warum?
  • Theatertherapie lässt sich in klinischen als auch in pädagogischen Feldern anwenden (z.B. Flüchtlingsarbeit)
  • Theatertherapie eignet sich hervorragend für Erwachsene und ist nicht in erster Linie etwas für Kinder